INTERVIEW

„Kein Tag ist wie der andere“

Schäden an Gebäuden bedeuten für Eigentümer und Unternehmen meist Stress, Zeitdruck und komplexe Abstimmungen. Für Versicherungs- und Risikoberater gehören sie dagegen zum Alltag. Wie modernes Schadenmanagement heute funktioniert, erklärt Hendric Schulz, Mitglied der Leitung im Schadenmanagement-Service bei Funk.

Herr Schulz, Sie sind Mitglied der Leitung im Schadenmanagement-Service bei Funk. Wie sind Sie zu dieser Rolle gekommen?
Ich bekam 2021 die Möglichkeit, bei Funk ein neues Team aufzubauen. Ein Schwerpunkt sollte dabei auf IT und Digitalisierung liegen. Gleichzeitig sollte die Großschadenkoordination strukturiert aufgebaut werden. Es gab zwar bereits einen Großschadenkoordinator, aber klare Prozesse fehlten: Wann fährt jemand zum Schadenort? Wie wird dokumentiert? Welche Ergebnisse erwarten wir? Mittlerweile besteht das Team aus neun Personen – darunter Großschadenkoordinatoren, mehrere Schadensachbearbeiter*innen im Innendienst mit Fokus auf die Immobilienwirtschaft und ich als Führungskraft. Parallel entwickeln wir den Bereich weiter, etwa mit dem Ziel, künftig auch sachverständige Tätigkeiten für externe Auftraggeber anzubieten.

„Jede Führungskraft arbeitet auch operativ mit. Das hält den Bezug zur Praxis sehr lebendig."

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus – oder gibt es den gar nicht?
Einen typischen Tag gibt es eigentlich nicht. Schadenfälle lassen sich nicht planen. Wir wissen nie, wann welcher Kunde einen Schaden meldet und wie umfangreich dieser sein wird. Neben der operativen Arbeit gehören viele Führungsaufgaben dazu, in unserem Bereich arbeiten rund 50 Mitarbeitende. Ein wichtiger Grundsatz bei uns lautet außerdem: Jede Führungskraft arbeitet auch operativ mit. Wir betreuen selbst Kunden und bearbeiten sowohl kleinere Schäden als auch große Schadenfälle. Das hält den Bezug zur Praxis sehr lebendig.

Wo spüren Sie die Digitalisierung besonders stark?
Zum einen ganz praktisch: Bei Schadenbesichtigungen arbeitet heute niemand mehr mit Stift und Papier. Tablets oder Notebooks sind selbstverständlich. Fotos werden direkt aufgenommen und in der Cloud geteilt – das spart Zeit und erleichtert die Dokumentation. Ein weiteres Feld ist die Automatisierung von Routineaufgaben. In der Schadenbearbeitung gibt es viele Tätigkeiten, die eher Fleißarbeit sind, etwa das Übertragen von Daten aus Schadenmeldungen in interne Systeme. Hier arbeiten wir daran, Prozesse stärker zu automatisieren und perspektivisch auch KI einzusetzen.

„Digitalisierung ist auch intern ein Transformations-prozess."

Wo liegen die größten Hürden?
Die größte Herausforderung ist die Vielfalt unserer Kunden. Sie nutzen unterschiedliche IT-Systeme und -Plattformen. Gleichzeitig verstehen wir uns als individueller Makler und möchten keinen starren Standardprozess über alle Kunden legen. Für jeden Kunden prüfen wir, welche Daten verfügbar sind, welche Schnittstellen möglich sind und wie sich die Zusammenarbeit sinnvoll gestalten lässt. Digitalisierung ist deshalb auch intern ein Transformationsprozess. Viele etablierte Abläufe werden neu gedacht, um effizienter zu werden.

Gibt es ein Projekt oder eine Initiative zur Digitalisierung, auf die Sie besonders stolz sind?
Ein sehr wichtiges Projekt ist unser neues Bestandsführungssystem. Daran arbeiten wir bereits seit mehreren Jahren, und zwar nicht nur die IT, sondern auch die Fachbereiche. Wir entwickeln das System gemeinsam und können unsere praktischen Anforderungen direkt einbringen. Inzwischen sehen wir erste Testversionen im Alltag. Wenn Ideen aus Workshops und Konzeptphasen tatsächlich funktionieren, ist das natürlich ein tolles Gefühl.

Wenn ein Schaden eintritt, ist das für Eigentümer oder Wohnungsunternehmen oft eine Stresssituation. Was macht aus Ihrer Sicht ein wirklich gutes Schadenmanagement aus?
Unsere Aufgabe ist es, unsere Kunden so weit wie möglich zu entlasten. Wir leiten Informationen nicht einfach weiter, sondern prüfen Unterlagen bereits vor der Weitergabe an den Versicherer. Fehlen zum Beispiel Fotos oder Rechnungen, sprechen wir das direkt an. Dadurch reduzieren sich Rückfragen, und die Regulierung kann deutlich schneller erfolgen. Zudem ist unser Handwerkermanagement eine echte Bereicherung.

Hendric Schulz 

Hendric Schulz (27) ist gelernter Kaufmann für Versicherungen und Finanzen und absolvierte ein nebenberufliches Studium zum Bachelor BWL mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik. Im Jahr 2021 wechselte er zu Funk und ist seit 2025 Mitglied der Leitung des Bereichs Schadenmanagement-Service. Seine Schwerpunkte liegen in der Akquisition, Organisation und Digitalisierung.

Wie funktioniert das Handwerkermanagement?
Wir arbeiten eng mit verschiedenen Sanierungsunternehmen zusammen. Ziel ist es, die Kommunikation zwischen allen Beteiligten zu vereinfachen. Im Idealfall meldet der Kunde den Schaden bei uns und informiert gleichzeitig den Handwerker. Dieser fährt zur Schadenstelle, dokumentiert den Schaden und schickt Bericht, Fotos und Kostenvoranschlag direkt sowohl an den Kunden als auch an uns. Wenn versicherungsbezogene Fragen entstehen, kann sich der Handwerker unmittelbar an uns wenden. Dadurch entfällt die klassische „Stille Post“, und Entscheidungen können deutlich schneller getroffen werden.

Spielt der Schadenservice auch bei der Neukundengewinnung eine Rolle?
Ja, absolut. Gerade im Akquiseprozess ist es wichtig, die Schadenprozesse eines potenziellen Kunden früh zu verstehen. Wenn sich ein Unternehmen für eine Zusammenarbeit entscheidet, müssen die Abläufe sofort funktionieren. Deshalb nehmen wir häufig bereits an Akquisegesprächen teil. Kunden können direkt fachliche Fragen stellen, und gemeinsam überlegen wir, wie sich Prozesse effizient gestalten lassen.

Wie nehmen Sie Ihr Team bei neuen Prozessen mit?
Bei uns betreut jede Sachbearbeiterin oder jeder Sachbearbeiter einen festen Kunden mit ein oder zwei Vertretungen. Dadurch sind bei Prozessänderungen immer nur kleine Teams betroffen. Wir dokumentieren Veränderungen sowohl in der Kundenakte als auch im Intranet. Dort finden sich umfangreiche Informationen zu Versicherern, Prozessen und Ansprechpartnern. Außerdem binden wir Mitarbeitende aktiv in Gespräche mit Kunden und Versicherern ein.

„Wir bearbeiten Schäden von kleinen Beträgen bis hin zu Millionenfällen."

Was gefällt Ihnen persönlich besonders an Ihrer Arbeit?
Die Vielfalt. Beim Versicherer sind Aufgaben oft stärker abgegrenzt. Bei Funk arbeiten wir dagegen mit sehr unterschiedlichen Kunden, Versicherern und Projekten. Wir bearbeiten Schäden von kleinen Beträgen bis hin zu Millionenfällen. Dazu kommen IT-Projekte, Personalführung und viele externe Termine. Dadurch bleibt der Job abwechslungsreich, und man muss ständig neu denken.

Wie gelingt Ihnen der Ausgleich zum Arbeitsalltag?
Ich versuche, regelmäßig zu reisen – mal mehr, mal weniger erfolgreich. In diesem Jahr hat mich vor allem ein Umzug beschäftigt, inklusive Renovieren und Einrichten. Ansonsten bin ich gerne draußen unterwegs. Spaziergänge im Park oder eine Runde an der frischen Luft helfen, den Kopf freizubekommen – manchmal sogar schon in der Mittagspause.

Hendric Schulz

Mitglied der Leitung des Bereichs Schadenmanagement-Service
Funk

Digitale Zukunft der Wohnungswirtschaft
Leerstandbegehungen